Abnehmen mit dem Biorhythmus und der Chronobiologie

Pascal Pape

Aktualisiert: 20.9.2018

Abnehmen mit dem Biorhythmus und der Chronobiologie:

Begriffe wie Intervallfasten, Intervall-Diät, Intermittent Fasting oder Sätze wie “Schnell Abnehmen mit dem Biorhythmus” werden zunehmend populärer. Wir haben uns näher damit beschäftigt und für unsere Leser recherchiert. Was ist dran am Intervallfasten? Wie können wir, mit Hilfe unserer inneren Uhr und unserer körpereigenen Chronobiologie leichter oder schneller abnehmen? Und warum?

Was ist der Biorhythmus?

Unser Biorhythmus hat sich, während der Evolution über viele tausend Generationen hinweg, in unseren Genen und unserem Körper verankert. Der Biorhythmus besteht aus Intervallen und steuert unter anderem, wann welche Hormone ausgeschüttet werden. Hormone wiederum beeinflussen das Verhalten von Zellen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die circadiane Rhythmik, die unser Leben in Tag- und Nachtphasen einteilt. Gesteuert wird der circadiane Rhythmus in erster Linie von der Sonne und durch das für unseren Körper sichtbare blaue Licht. Fällt blaues Licht auf unsere Augen, so schüttet unser Körper Serotonin aus und macht uns wach. Der Rhythmus beginnt.

Warum ich das hier erwähne? Weil Serotonin Dich nicht nur wach macht, sondern auch ein Glückshormon ist. Dazu gleich mehr

Hormone in unserem Körper folgen einem Biorhythmus. Der Tag-Nacht-Rhythmus wird durch blaues Licht reguliert.

Wie können wir dadurch leichter abnehmen?

Über Jahrzehnte haben Forscher die Hypothese aufgestellt, dass durch den circadianen Rhythmus unsere Fettverbrennung abends abnimmt und deshalb ein reichhaltiges Mahl am Abend oder ein zu spätes Abendessen einfach dick machen muss. Auf dieser Theorie basiert zum Beispiel die Schlank im Schlaf-Diät. Diese Annahme ist weit verbreitet, aber grob falsch und basiert auf fehlerhaften Studien. Der circadiane Rhythmus hilft dennoch beim Abnehmen.

Man weiß zum Beispiel, dass der Konsum von Schokolade und Süßem im Winter zunimmt. Warum? Weil wir im Winter weniger draußen sind und weniger blaues Licht erhalten. Hierdurch produziert unser Körper nachweislich weniger Serotonin. Da Serotonin ein Glückshormon ist, versucht unser Körper den Glücks-Verlust auszugleichen: Er fordert Schoki!

In Schokolade ist unter anderem die Aminosäure Tryptophan enthalten, der Baustein für Serotonin. Ein Proteinshake hätte übrigens den selben Effekt. Wenn wir uns folglich proteinreich ernähren, können wir unsere Serotoninproduktion ganz natürlich erhöhen und damit Gelüste auf Süßigkeiten reduzieren. Außerdem ist es wichtig, reichlich blaues Licht zu tanken und sich viel im Freien aufzuhalten.

Blaues Licht reguliert unseren Biorhythmus und reduziert damit – vor allem in Kombination mit Proteinen – Gelüste auf Süßes.

Aber Abendessen macht doch dick!

Nicht per se, es kommt auf die Umstände und das Individuum an. Solche pauschalen Aussagen gelten in Fachkreisen längst als veraltet. Das Problem hierbei ist, dass sämtliche Studien zu diesem Thema nicht aussagekräftig sind und deshalb von den Wissenschaftlern und Analysten mit eigenen Interpretationen und der eigenen Meinung aufgewertet werden. Das sollte aber bei seriösen Forschern ein No-Go sein.

So erfolgtem bis dato sämtliche Studien an Tieren und noch dazu unter Extrembedingungen. So wurden nachtaktive Mäuse dazu gezwungen, tagsüber zu essen. Oder Schafe wurden mitten in der Nacht zum Grasen auf eine Wiese gestellt. Damit einher geht selbstverständlich, dass die gesamte Chronobiologie der Tiere aus dem Rhythmus geworfen wurde und nicht nur der Biorhythmus des Stoffwechsels. Diese Disbalance im gesamten Biorhythmus lediglich durch die Nahrungsaufnahme zu begründen ist zu einfach und nicht durchdacht.

Was das mit seriöser Wissenschaft zu tun hat ist mir schleierhaft und wer diese Ergebnisse kritiklos auf das Abendessen eines durchschnittlichen Menschen überträgt, der hat seine Arbeit leider nicht richtig gemacht. Und trotzdem greifen Frauen- oder Fitnessmagazine solche Studien oft euphorisch auf und fragen ihre Leser “Wollen Sie so aussehen wie diese dicke Maus?”

Studien werden verzerrt dargestellt:
Abendessen unter Stress macht Tiere dick.

Wann macht spätes Abendessen dick?

Das ist in der Regel auf eine der drei Ursachen zurückzuführen:

1) Du isst in Summe mehr:

Wer über den ganzen Tag verteilt bereits seine Tagesdosis an Kalorien zu sich genommen hat und dann abends noch einmal zuschlägt, setzt selbstverständlich Fett an. Logisch?

2) Du isst falsch und zu knapp vor dem Schlafengehen:

Der Abstand zur Nachtruhe kann bei einem schwer verdaulichen Mahl entscheidend sein. Wer sich über eine gesunde Verdauung freuen darf, darf auch abends essen, was er will. Oft leidet aber unser Darm oder Magen unter einer schlechten Ernährung, wie einer Übersäuerung. In diesem Fall kann es nachts zu Sodbrennen oder Verdauungsproblemen kommen. “Kann” ist das Stichwort. Diese Faktoren hängen jedoch mit einer ungesunden Ernährung an sich zusammen und nicht mit dem Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme.

3) Du frühstückst früh, isst aber spät zu abend:

Dadurch störst Du Deinen biologischen Rhythmus, durch eine zu geringe Periode des Fastens. Schuld ist nicht das Abendessen, sondern die Kombination aus Frühstück und Abendessen.

Zu spätes Abendessen kann die Fettverbrennung hemmen, wenn zum Beispiel durch Sodbrennen der Schlaf gestört wird. Es stört aber entgegen weitläufiger Meinung nicht den Biorhythmus.

Wie ernähre ich mich nach dem Biorhythmus?

Unser Leben ist ein bisschen komplexer, als dass man alles auf einen einzigen Biorhythmus reduzieren könnte. Männer sollten mal ihre Freundin fragen, warum sie einmal im Monat so schlecht gelaunt ist, es wäre doch “nur ein Tag wie jeder andere”. Dann wird einem sehr schnell bewusst, dass es nicht nur einen einzigen Biorhythmus geben kann.

Es gibt einen weiteren Rhythmus, der sich auf den Stoffwechsel bezieht. Der Stoffwechsel-Rhythmus ist unterteilt in eine Periode des Essens und eine Periode des Fastens – oder auch in “Regeneration” und “Aktion”.

Dieser Rhythmus wird durch Nahrungsaufnahme umgekehrt gestartet. Vor allem Zucker und Kohlenhydrate setzen diese innere Uhr sprichwörtlich in Gang, wirken auf Insulin und aktivieren damit das Stoffwechsel-Intervall. Sie starten damit aber nicht das Intervall der Aktion, sondern das der Regeneration. Verdauung zählt zur Regeneration. Oder machst Du mit vollem Bauch gerne Sport? Eben.

Woher kommt das? Nehmen wir zum Verständnis den Rhythmus eines Steinzeitmenschen als Vergleich. Nach dem Aufstehen gab es vielleicht, wenn überhaupt, ein paar Beeren auf die Hand. Danach wurde erstmal gejagt und gesammelt: “Aktion”

Fettdepots werden aufgelöst, um Energie zur Verfügung zu stellen. Erst später gab es Essen und das Intervall der Regeneration wurde gestartet. Ein Frühstück war also zur damaligen Zeit purer Luxus, wenn man direkt an einer Nahrungsquelle saß. Ein derartiges Schlaraffenland wird von unserem Körper automatisch mit reichlich Fettaufbau “belohnt”. Damit man gewappnet ist, falls es mal wieder weniger Nahrung gibt.

Unser Biorhythmus tickt immer noch wie in der Steinzeit. Doch das Frühstück stört den Biorhythmus, nicht das Abendessen. Denn in diesem Fall unterbrechen wir schon zu Beginn des Tages das Intervall der “Aktion” und unser Körper möchte gerne direkt zur “Regeneration” übergehen. Essen, hinlegen, schlafen.

Das Frühstück stört den Biorhythmus,
vor allem wenn es Kohlenhydrate enthält.

Was ist Intervallfasten?

Intervallfasten macht sich diesen Rhythmus zunutze. Die Periode der Nahrungsaufnahme sollte laut Studien maximal acht Stunden lang sein. Ein längeres Intervall signalisiert dem Körper ein Lebensmittel-Schlaraffenland, fördert den Fettaufbau und hemmt den Fettabbau.

Der Kühlschrank sollte folglich am Morgen geschlossen bleiben. Wer morgens unbedingt etwas zu essen braucht, kann auf Eiweiße und eventuell Fette ausweichen. Diese sättigen, wirken jedoch kaum bis gar nicht auf Insulin.

Warum haben viele Menschen dennoch morgens Hunger? Das ist das Resultat von Apetitanregern, dem vollen Kühlschrank, Werbung und vielen weiteren Faktoren. Wer heute aus Langeweile einen Blick in den Kühlschrank wirft oder auf eine verpackte Chipstüte, der erhöht hierdurch automatisch die eigene Speichelproduktion, die den Körper auf eine Nahrungsaufnahme vorbereitet. Die Folge: Apetit entsteht und der Körper fordert etwas zu Essen ein.

Ohne diesen Blick auf die persönliche Versuchung, hätte der eigene Körper vielleicht gar kein Hungersignal übermittelt. Wir tricksen also unseren Körper und den Biorhythmus selbst aus oder lassen ihn durch Dritte austricksen – jedoch im negativen Sinne und ohne es bewusst zu wissen. Daraus wird dann irgendwann Routine und der Körper verlangt zum Beispiel täglich nach seinem Nutella-Brot am Morgen.

Der Sinn einer Diät sollte es in sein, diese Routine zu durchbrechen. Eine Tüte Chips oder auch nur ein Brot im Fasten-Intevall, wirkt auf den Körper wie eine Dose RedBull um drei Uhr nachts. Manipuliert man seinen Körper auf Dauer gegen die eigene Chronobiologie, so ist der Fettaufbau vorprogrammiert.

Um leichter abzunehmen, streiche Dein Frühstück und nimm Mahlzeiten in einem Intervall von 8 Stunden zu Dir.

Warum ist Abendessen gesund?

Wir empfehlen unseren Lesern, wenn möglich, lieber auf das Frühstück als auf das Abendessen zu verzichten. Denn während viele Medien weiterhin behaupten, dass man Kohlenhydrate am Abend meiden sollte, zeigt eine umfangreiche Analyse von Studien mit Menschen in die genau entgegen gesetzte Richtung.

Wird der Abnehmerfolg zweier Gruppen von Menschen verglichen, so schneiden die “Abends-Esser” in der Regel besser ab. Warum? Schauen wir zum Vergleich in die Tierwelt. Nach einem saftigen Mahl werden nicht nur Tiger und Bären müde, sondern im Regelfall auch Menschen. Ein gesunder Schlaf ist das A und O für Menschen, die abnehmen wollen.

Wer sich gesund ernährt, seinen Körper nicht übersäuert und eine gesunde Verdauung durch gute Fette, reichlich Ballaststoffe und andere essenzielle Nährstoffe sicherstellt, schläft mit einem guten Abendessen wie ein Baby. In diesem Fall verbrennst Du im Schlaf reichlich Kalorien.

Mit einem Frühstück erreichen wir das Gegenteil. Die Fettverbrennung wird schon früh am Morgen gebremst und man ist während des Tages müder, träger und bewegt sich tendenziell weniger.

Brauchst Du Hilfe beim Abnehmen oder hast Du spezielle Fragen?

Hi, ich bin Pascal Pape

Ich helfe Dir, Verantwortung für Deine Gesundheit zu übernehmen. Lass uns gemeinsam hinterfragen, was wirklich gesund ist. Weiterlesen…

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  • blank Florbela sagt:

    Hallo,

    Ja ich habe eine Frage.

    Ich möchte abnehmen (mal wieder) und versuche dies gerade mit der GoGAP MetaCheck Methode. Hierbei wird, unter anderem, anhand deiner DNA ermittelt was du für ein “Typ” bist und danach richtet sich was du essen “darfst” oder was du lieber “vermeiden” solltest, aber auch das man zwischen den Mahlzeiten, zwischen 4 bis 6 oder 12 bis 14 Stunden “Fastet”. Hier habe ich die Info, desto länger, desto besser da der Körper so wirklich alles abbaut.

    In deinem Bericht, schreibst du:
    Intervallfasten macht sich diesen Rhythmus zunutze. Die Periode des Fastens und der Regeneration sollte laut Studien ungefähr acht Stunden lang sein. Ein längeres Intervall signalisiert dem Körper ein Lebensmittel-Schlaraffenland, fördert den Fettaufbau und hemmt den Fettabbau.

    Jetzt meine Frage:
    Heißt das, wenn ich länger als 8 Stunden “Faste”, fördere ich damit noch mehr den Fettaufbau statt Fettabbau?

    Vielen Dank.

    LG
    Florbela

    • blank Pascal Pape sagt:

      Hi,
      der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber da hat sich ein Fehlerteufel eingeschlichen, danke. Es sollte umgekehrt heißen: (Maximal) 8 Stunden essen, 16 Stunden fasten.

      Längeres Fasten ist besser. 🙂 Wenn Du Hilfe brauchst, melde Dich gerne. LG

  • blank Anja sagt:

    Durch meine Schwangerschaften habe ich eines gelernt: Hör auf deinen Körper! Iss wann du richtig Hungrig bist und auf was du Lust hast! Ich habe dadurch das Frühstück gestrichen, da ich am Morgen überhaupt keinen Appetit habe und selbst auf Süßes gelüstet es mich gar nicht mehr. Der Positivste Effekt war allerdings mein Gewicht und meine Gesundheit: Ich wiege weniger als vor meinen Schwangerschaften und fühle mich insgesamt besser! Unser Körper weiss was ihm gut tut und was er braucht, man muss ihn nur verstehen lernen…
    Kinder wissen das noch viel besser, sie haben noch nichts von gesunder und falscher Ernährung gehört bzw verstehen es nicht richtig sondern hören am ehesten noch auf ihren Körper. vorausgesetzt natürlich sie werden abwechslungsreich ernährt und der Körper lernt verschiedene Geschmacksrichtungen kennen…

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